Central Station, 28 Jahre danach
Der Film, der der Retomada ihr Gesicht gab, ist noch das großzügigste Porträt eines Landes in Bewegung — und der Beweis, dass das…
Zwei Jahrzehnte später ist der Film von Fernando Meirelles und Kátia Lund noch immer Faustschlag und Signatur: eine neue Form, geboren aus der Dringlichkeit ihres Themas.
Es beginnt mit einem Messer, das im Samba-Rhythmus geschärft wird, und einem Huhn, das dem Mittagessen entkommt — und innerhalb von drei Minuten hat City of God seine Grammatik gelehrt: unruhige Kamera, von der Sonne ausgebrannte Farben, ein Schnitt, der dem Impuls folgt. Wenn das Huhn zwischen Buscapé und der Bande von Zé Pequeno stehen bleibt, hat der Film sein Thema längst benannt: jemand in der Mitte, der versucht, nicht zu sterben.
Die Adaption des Romans von Paulo Lins verfolgt drei Jahrzehnte einer Favela in Rio, von den 1960ern bis in die frühen 1980er, und verändert mit jeder Epoche ihr Aussehen — nostalgisches Gold, Siebziger-Psychedelik, das schmutzige Korn des Krieges. Daniel Rezende montiert das alles als Fluss der Erinnerung, mit Kapiteln und Abschweifungen, ohne je den Faden zu verlieren.
Die überwiegend in Schauspielworkshops ausgebildete Laienbesetzung gibt dem Film seine körperliche Wahrheit. Leandro Firmino macht aus Zé Pequeno eine Studie über Macht ohne Lack; Alexandre Rodrigues hält den Film mit der aktiven Passivität eines Menschen zusammen, der zusieht — und fotografiert.
Damals des Ästhetisierens von Gewalt beschuldigt, antwortete der Film mit Einfluss: Er öffnete dem brasilianischen Kino im Ausland Türen, erhielt vier Oscar-Nominierungen und bildete eine Generation von Technikern und Darstellern aus. Heute gesehen, beeindruckt weniger der Schock als die Kontrolle — jede formale Entscheidung im Dienst einer Frage, die Brasilien noch nicht beantwortet hat.
Ein Meilenstein, der weder im Anspruch noch in der Form gealtert ist. City of God bleibt die seltene Begegnung von sozialer Dringlichkeit und absoluter Beherrschung der Form.
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Der Film, der der Retomada ihr Gesicht gab, ist noch das großzügigste Porträt eines Landes in Bewegung — und der Beweis, dass das…