Vertigo: Liebe als freier Fall
Hitchcocks persönlichster Film ist ein umgekehrter Zaubertrick: Er verrät das Geheimnis auf halbem Weg und nimmt uns dennoch den…
Eine Woche Gespräch zwischen zwei Filmemachern wurde zum einflussreichsten Filmhandbuch, das je erschienen ist — und ist noch der beste Zugang zum Werk beider.
1962 schrieb François Truffaut — einst Kritiker, damals junger Star der Nouvelle Vague — an Alfred Hitchcock und schlug ein endgültiges Interview vor. Der Engländer, den die amerikanische Kritik damals als bloßen Unterhalter behandelte, sagte zu. Es wurden Tage aufgezeichneter Gespräche in den Studios, Film für Film, Trick für Trick.
1966 veröffentlicht, tat das Buch etwas Seltenes: Es veränderte das Ansehen eines lebenden Künstlers. Danach war es unmöglich, weiter zu behaupten, Psycho und Vertigo seien reine Unterhaltung. Die politique des auteurs hatte ihr Gründungsdokument — diktiert vom Angeklagten selbst.
Weil es technisch ist, ohne trocken zu sein: Hitchcock erklärt Suspense mit Wirtshausbeispielen (die Bombe unter dem Tisch, von der das Publikum weiß und die Figuren nicht), und Truffaut fragt wie jemand, der es selbst schon falsch versucht hat. Es ist eine doppelte Lektion — im Machen und im Sehen.
Das Buch erschien in Dutzenden Sprachen, wurde 2015 zum Dokumentarfilm und wird noch in jeder Filmschule zitiert. Im Regal einer Cinephilen ist es weniger ein Objekt als ein Werkzeug: ein zweisprachiges Wörterbuch zwischen Publikum und Projektionsraum.
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