Metropolis und die 25 Minuten, die aus Buenos Aires zurückkamen
Mehr als 80 Jahre lang lief Fritz Langs Film verstümmelt. Bis eine in einem argentinischen Museum vergessene Kopie der Welt zurückgab, was endgültig verloren schien.
Metropolis kam 1927 in Berlin mit mehr als zweieinhalb Stunden in die Kinos — und wurde fast sofort gekürzt. Verleiher schnitten, ordneten um, schrieben die Zwischentitel neu. Jahrzehntelang existierte der ambitionierteste Film des deutschen Expressionismus nur in Fragmenten, und ganze Generationen kannten die Hälfte.
2008 identifizierten Forschende in der Sammlung des Museo del Cine in Buenos Aires eine 16-mm-Kopie, die etwa 25 unbekannte Minuten bewahrte. Es war eine abgenutzte, verkratzte Reduktion, gezogen von einer argentinischen Verleihkopie — und sie war ein Schatz.
Das Puzzle der Restaurierung
Das argentinische Material floss in die in Deutschland durchgeführte Restaurierung ein, und 2010 sah die Welt zum ersten Mal seit über achtzig Jahren ein nahezu vollständiges Metropolis: ganze Nebenhandlungen wiederhergestellt, Figuren, die endlich Sinn ergaben, der ursprüngliche Rhythmus zurückgewonnen.
Die Lehre ist unbehaglich: Das Überleben eines absoluten Meilensteins der Filmgeschichte hing von einer Verleihkopie ab, die weit entfernt von den großen Archiven aufbewahrt wurde. Wie viele andere Filme warten in den falschen Regalen — oder sind längst zu Nitrostaub geworden?
Bewahrung heißt nicht, ein Master zu behalten: Sie heißt, Kopien zu vervielfachen, Sammlungen zu katalogisieren und öffentliche Archive zu finanzieren. Buenos Aires hat bewiesen, dass das Gedächtnis des Kinos verteilt ist — und dass das Wegwerfen einer Filmdose immer eine Wette gegen die Geschichte ist.
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